Zu wenig Bewohner bei „Plan B – OK“

Im Schnitt 19 Obdachlose im neuen Projekt in Döhren / Aufenthaltsdauer soll verlängert werden
von Jutta Rinas

Die im Januar 2021 eröffnete Obdachlosenunterkunft mit dem etwas rätselhaften Namen „Plan B – OK“ in Döhren stößt offenbar auf keine so große Resonanz wie erhofft. Die Konsequenz: Das Projekt soll nicht – wie ursprünglich geplant – von 21 auf 70 Plätze erweitert werden. Das geht aus einen Bericht der Regionsverwaltung hervor, der in der kommenden Woche Thema im Sozialausschuss der Region ist.

Pläne der Stadt begrüßt

Ein Problem war offenbar bislang, dass viele Betroffene die auf drei Monate befristete Aufenthaltsdauer, in der die Wohnungslosen mit Sozialarbeitern eine Zukunftsperspektive entwickeln sollen, als zu kurz empfanden. Um den Druck auf sie zu verringern, hätten Stadt und Region daher bereits Anfang April dieses Jahres entschieden, die Aufenthaltsdauer auf sechs Monate zu verlängern, heißt es in dem Bericht weiter.

„Wir haben von Anfang an gesagt, dass drei Monate zu kurz sind“, sagt Andreas Sylvester von der Obdachloseninitiative „StiDU“ („Stimme der Ungehörten“). Auch dass nur ein Sozialarbeiter für alle Bewohner in dem Projekt zuständig gewesen sei, sei zu knapp bemessen. Die neuen Pläne von Stadt und Region findet Sylvester aber gut. „Es ist nicht sinnvoll, wenn Plätze leer stehen“, sagt er. Die, die in dem Projekt lebten, hätten jetzt aber eine realistische Chance auf eine bessere Zukunft.

Das Modellprojekt „Plan B – OK“ sollte Obdachlosen nicht nur – befristet auf drei Monate – ein Dach über dem Kopf bieten. Mit sozialer Beratung sollten überdies Anschlussperspektiven entwickelt werden, um sie langfristig von der Straße zu holen. Nach massiven Protesten nach der Schließung des Naturfreundehauses als Obdachlosenunterkunft im Oktober 2020 hatte die Stadt das Projekt gemeinsam mit der Region in kurzer Zeit als eine Alternative auf den Weg gebracht. Die Abkürzung „OK“ steht für Orientierung und Klärung.

21 Einzelzimmer auf mehreren Etagen, jeweils drei in sieben kleinen Wohnungen mit Küche und Bad, gibt es in dem Mehrfamilienhaus an der Cäcilienstraße in Döhren. Laut Bericht hatte sich der durchschnittliche Verbleib von Obdachlosen in dem Modellprojekt im Oktober 2021 aber bei nur 14 wohnungslosen Menschen eingependelt. Die restlichen Plätze seien nicht besetzt gewesen. Alle 21 Plätze seien lediglich an drei Tagen belegt gewesen, heißt es weiter. Neue, im Mai 2022 kurzfristig ermittelte Zahlen zeigten überdies, dass die Unterkunft mit 19 belegten Plätzen gut ausgelastet sei. Insgesamt sei sie von 73 Bewohnern, darunter neun Frauen, in Anspruch genommen worden. Laut Bericht brauchten die Obdachlosen nach dem Einzug in die Unterkunft häufig zunächst eine Phase des Ankommens und des „Zur-Ruhe-Kommens“. Der Zeitpunkt, zu dem es möglich gewesen sei, mit begleitenden Hilfen zu beginnen, sei individuell sehr unterschiedlich gewesen. Oft sei der durch die beschränkte Aufenthaltsdauer vorgegebene Zeitraum zu knapp gewesen, was zu weiterer Frustration und Mutlosigkeit geführt habe.

Quellenangabe: HAZ vom 24.06.2022, Seite 18